Bronzeguss
[Home] [Stahl] [Thor II] [Kumihimo] [Werkstatt] [Bronzeguss] [Mokume] [Shakudo] [Saflorfärbung] [Tsuka-Maki] [Datenschutz] [Impressum]

Durch eine Veranstaltung wurde ich auf die hier in Köln ansässige Kunstgießerei Schweitzer aufmerksam. Einige Zeit nach diesem ersten Kontakt gelang es mir ein Praktikum in der Kunstgießerei anzutreten. Hatte ich schon auf diversen Schmiedetreffen die Arbeitsschritte im Sandgußverfahren gesehen, so bekam ich nun die Gelegenheit eine andere Technik kennen zu lernen.
Ausgangspunkt für diese Technik ist ein Wachsmodell. Die Technik bei der Wachsmodelle eingesetzt werden nennt sich Guß in der verlorenen Form, da jedes Modell nur eine Gußform erzeugt die nach dem Guß zerstört und damit verloren ist.

Liefert der Auftraggeber seinen Entwurf aus einem anderen Werkstoff, so muss von diesem Entwurf als erstes ein Wachsmodell angefertigt werden. Hierfür muss der Entwurf zuerst mit einer Ton- und darüber mit einer Gipsschicht abgedeckt werden. Aus diesem (trennbaren) Gipsmantel wird dann sowohl der Entwurf als auch die Tonschicht entfernt. Nun kann der Entwurf wieder in den Gipsmantel gestellt werden und der Zwischenraum, der durch die entfernte Tonschicht entstanden ist, mit Silikon ausgegossen werden. Nach dem Trocknen wird wieder alles zerlegt und das Silikon vorsichtig aufgeschnitten um den Entwurf zu entnehmen. Der Silikonabdruck ermöglich nun die detailgetreue Herstellung eines Wachsmodells. Doch will ich hier nicht die aufwendigen Arbeitsschritte zur Herstellung eines Modells beschreiben, sondern die folgenden Schritte bis zum fertigen Bronzeguss.

Der Giesser muss sich entscheiden wie er den Guß durchführen will, daher von wo er später die flüssige Bronze in die Form füllen will und wie sie sich in der Gussform verteilen kann.
Dementsprechend wird ein verzweigtes System aus Guss- und Belüftungskanälen angelegt. Diese bestehen ebenso wie das Model aus Wachs. Sie werden an ausgewählten Stellen mit dem Modell verbunden und enden alle in einem wächsernen Gusstrichter.
Ab einer gewissen Größe macht es Sinn den Guß nicht mehr Massiv auszuführen. Aus diesem Grund muss das Modell hohl sein damit sein Inneres Platz für einen Kern bereitstellt. Um diesen Kern später in der Gußform fixieren zu können, werden Nägel durch das Wachsmodell bis in den hohlen Innenraum gedrückt.

Wachsmodell

Das auf diese Weise modifizierte Wachsmodel muss nun in eine Gußform umgewandelt werden.
Bei dem hier angewendeten Verfahren wird durch ein Tauchbad eine dünne Schicht aus Kieselgur auf dem Modell aufgebracht. Diese ermöglicht es das in dem folgenden Arbeitsgang eine Schicht aus sehr feinem Granulat auf der Oberfläche haften bleibt. Diese erste sehr feine Schicht sorgt dafür das auch kleine Details abgebildet werden können. Als nächstes muss das Ganze trocknen, was mehrere Stunden beansprucht. Beim trocknen entsteht eine keramische Oberfläche.

Kieselgur

Es folgt ein weiteres Tauchbad und der Auftrag eines gröberen Granulats. Danach wird wieder getrocknet.
Das Auftragen von Kieselgur, Granulat und darauf folgendem Trocknen wiederholt sich jetzt noch mehrmals, bis sich eine ausreichend dicke Schicht um das Modell aufgebaut hat.
Es ist zu bedenken das die Form beim Guss sowohl dem Temperaturschock der über 1000°C heißen Bronze als auch dem Gewicht des flüssigen Metalls widerstehen muss.

Granulatauftrag

Nachdem die Gußform soweit fertiggestellt ist, muss im folgenden Arbeitsgang das Wachs aus ihrem Inneren entfernt werden. Dies geschieht durch Ausschmelzen.
Hierbei wird die Form mit einem Brenner erhitzt bis das gesamte Wachs herausgetropft bzw. verbrannt ist. Danach wird die Form weiter befeuert um eine Art Schrühbrand durchzuführen und alle Restfeuchtigkeit zu entfernen. Dies ist sehr wichtig, da restliches Wasser beim Guss schlagartig verdampfen und die flüssige Bronze explosionsartig aus der Form herausschleudern würde. Die Folgen mag sich jeder selbst ausmalen.

Ausschmelzen

Heute muss die Glocke werden....
Der Tag, nach 2 Wochen Vorbereitung, an dem der eigentliche Guss erfolgt ist gekommen.
Metallrahmen werden auf dem Boden der Werkstatt ausgelegt und die keramischen Gussformen innerhalb dieser Rahmen aufgestellt. Ein Auffüllen der Rahmen mit Formsand stützt die Formen seitlich ab, so das ein Umfallen oder Aufbrechen wirksam verhindert wird.

Fixieren_der_Form

Der im ölbefeuerten Schmelzofen stehende Tiegel wird Zug um Zug mit Bronze beschickt, bis sein Inhalt circa 50 kg flüssiges Metall enthält. Dann wird er mit einer Tiegelzange herausgehoben und in einer Kippvorrichtung abgesetzt.
Ich trete mehrere Schritte zurück, da mir der Gedanke das der hocherhitzte Tiegel entweder unter dem eigenen Gewicht oder unter dem Druck der Zange zerbrechen könnte, überhaupt nicht behagt.
Von der Hitze, die diese kleine künstliche Sonne abstrahlt, mal ganz zu schweigen.

Tiegel

Zwei Mann heben die Kippvorrichtung mitsamt dem Tiegel an und tragen ihn zu den vorbereiteten Formen. Zielsicher giesst das eingespielte Team die Bronze in die Gusstrichter jeder einzelnen Form, während ein dritter Mann mit Hilfe einer Eisenstange verhindert das Schlacke aus dem Tiegel abfliessen kann.

Dem Guss wird nun Zeit gegeben abzukühlen.

Sobald alles halbwegs erkaltet ist werden die Formen geborgen .

Giessen

Es folgt das mühselige freilegen der Bronze. Mit gezielten Hammerschlägen zerschlägt man die keramische Gussform, immer darauf bedacht die Bronze nicht zu Beschädigen.
Ist der Guss endlich freigelegt werden die Gusskanäle abgetrennt und verputzt.

Die Oberfläche bekommt durch Schleifen und Bürsten ihre endgültige Struktur und durch Patinieren die gewünschte Farbe.

Für erste eigene Versuche mit dieser Technik kann auf dem Wachsmodell statt der Keramik auch Gips oder ein ähnliches Material aufgebracht werden.

Bronzeguss
[Home] [Stahl] [Thor II] [Kumihimo] [Werkstatt] [Bronzeguss] [Mokume] [Shakudo] [Saflorfärbung] [Tsuka-Maki] [Datenschutz] [Impressum]