Mokume
[Home] [Stahl] [Thor II] [Kumihimo] [Werkstatt] [Bronzeguss] [Mokume] [Shakudo] [Saflorfärbung] [Tsuka-Maki] [Datenschutz] [Impressum]

Die Bezeichnung “Mokume-Gane” kommt aus dem Japanischen und bedeutet holzstrukturiertes Metall. Somit könnte alles mögliche darunter verstanden werden, gemeint ist jedoch eine alte Technik bei der verschiedene Bunt- oder Edelmetalle schichtweise miteinander verbunden werden. Sinn der Schichtung ist, diese bei der späteren Verarbeitung anzuschneiden und somit die unterschiedlichen Farben der Metalle sichtbar zu machen und für dekorative Zwecke einzusetzen. Daher wird Mokume-Gane hauptsächlich für Schmuck oder Zierrat verwendet.

Mir sind drei Möglichkeiten der Herstellung bekannt. Zum einen ein Verfahren das wahrscheinlich hauptsächlich von Goldschmieden eingesetzt wird. Hierbei werden die Bleche miteinander verlötet, d.h. es wird ein Zusatzstoff (Silberlot) für die Verbindung benötigt.
Bei dem zweiten Verfahren, dem traditionellen und aufregendsten Weg, nutzt man die Bildung des Eutektikums zwischen den unterschiedlichen Metallen. Was darunter zu verstehen ist, erkläre ich weiter unten.
Der hier vorgestellte dritte Weg beruht auf der Diffusion von Atomen zwischen den einzelnen Metallplatten und erfolgt bei geringerer Temperatur als die vorgenannte Möglichkeit.

Ausgangsmaterial sind immer Bleche verschiedener Metalle oder Legierungen. In diesem Beispiel sind es Kupfer, Messing und Neusilber. Die Bleche sollten generell nicht zu schmal sein, da sie sich sonst nur schwer sauber übereinander stapeln lassen. In diesem Fall beträgt die Abmessung 25x50 mm. Im Idealfall sind sie möglichst scharfkantig, plan und glatt. Dies ist gerade bei bei diesem dritten Verfahren besonders wichtig, da die Verbindung nur über die Kontaktfläche erfolgt und die ist um so grösser je geringer die Oberflächenrauigkeit ist.

Der Erfolg steht und fällt mit der Vorbereitung. Die Oberflächen müssen frei von Oxid, Fett oder sonstigen Verunreinigungen sein. Dies ist bei der Herstellung vom Mokume oberstes Gebot.
Die Bleche können mit Bimsmehl, Scotch-Bändern oder auf andere Art gesäubert werden. Hauptsache sie sind wirklich sauber. Das Tragen von Handschuhen hilft die gereinigten Bleche nicht wieder zu verschmutzen. Das Ganze gleicht einem Frühjahrsputz, nur schlimmer.

Jetzt benötigt man eine Spannvorrichtung. Diese kann aus zwei stabilen Stahlplatten und mehreren Schrauben bestehen. Die gereinigten Bleche werden abwechselnd gestapelt und möglichst fest eingespannt. Da ich keinen Schutzgasofen besitze, muss ich die Bleche auf andere Weise vor Oxidation schützen. Aus diesem Grund schlage ich den Blechstapel vor dem Spannen in Härtefolie ein.

Buntmetallplatten
Blechstapel

Das Ganze kommt nun in einen vorgeheizten Brennofen. Bleibt die Frage nach Temperatur und Zeit.
Hierauf gibt es jedoch keine einfache Antwort. Es hängt von den verwendeten Metallen und dem sich daraus ergebenen eutektischen Punkt (Legierung mit dem niedrigsten Schmelzpunkt) ab.
Beispiel:
Kupfer schmilzt bei 1083°C,
Feinsilber schmilzt bei 960°C.
Eine Legierung aus 72% Kupfer und 28% Silber schmilzt bei 778°C.
Beim Aufheizen eines Metallstapels aus Kupfer und Silber geschieht zwischen den Lagen das Gleiche. Auf der Kontaktfläche bildet sich bei 778°C eine eutektische Legierung, das Metall wird an dieser Stelle flüssig. Bei der traditionellen Methode ist dies genau der Punkt bei dem der Stapel aus dem Feuer genommen werden muss um die Bleche durch die sich bildende flüssige Schmelzphase miteinander zu verbinden.

Beim hier angewendeten Festkörperdiffusionsverfahren, bei dem das Material nicht ständig beobachtet wird, hätte die gleiche Temperatur zur Folge das der Stapel langsam schmilzt und sich als Metallpfütze im Ofen verteilt. Die Temperatur muss also unterhalb des Schmelzpunktes der eutektischen Legierung liegen. Ein Abstand von 20°C sollte reichen um Unwägbarkeiten wie ungleichmässige Wärmeverteilung im Ofen oder Messfehler auszugleichen.
Ian Ferguson (s.u.) empfiehlt noch tiefere Temperaturen. Demnach sind max. 735°C für eine Kupfer-Silber Kombination ausreichend.
Bei den hier verwendeten Kupferlegierungen liegt der eutektische Punkt jedoch höher. Ich habe bei einer Temperatur von 815°C und einer Diffusionsdauer von 5-6 Stunden ein gutes Ergebnis erzielt
.

Brennofen
Mokumeblock

Der fertige Mokumeblock wird nun allseitig überschliffen um Überstände zu entfernen und die Kanten leicht zu brechen. Danach wird er im schwarzwarmen Zustand aus geschmiedet. Den Block hochkant zu schmieden sollte man möglichst vermeiden und erfolgt auf eigene Gefahr. Nur zu leicht trennt man dabei die Lagen wieder auf.

Die weitere Bearbeitung hängt natürlich davon ab, was letztendlich hergestellt werden soll. Ob das Material nur geschmiedet oder zur Blechherstellung gewalzt wird ist von den benötigten Abmessungen und Möglichkeiten abhängig. Als Anhaltspunkt sollte das vorbereitete Halbzeug die dreifache Stärke der fertigen Arbeit haben. Grund hierfür ist, das sich die Schönheit der Muster des Mokume erst durch eine gezielte Manipulation entwickeln kann. Bei diesem Arbeitsgang geht leider auch ein Teil des Materials verloren. Handelt es sich um Gold oder andere teure Materialien wird man sicher jeden Arbeitsgang auf Materialersparnis hin auslegen.

Um ein Muster zu erzeugen stehen im Prinzip die gleichen Möglichkeiten zur Verfügung wie bei der Herstellung von Damaszenerstahl. Es kann mit Punzen ein Muster eingeschlagen werden und die erhabenen Partien entfernt werden. Eine andere Möglichkeit besteht im Entfernen von Material (feilen, bohren, meisseln) und einem weiteren Schmieden oder Auswalzen um die Oberfläche wieder einzuebnen. Ebenso sind Torsionstechniken denkbar. Bei geschicktem Arbeiten geht das Mustern und das Formen des Werkstücks Hand in Hand.

Im Bild rechts ist ein kleines Musterblech zu sehen. Um den Kontrast zwischen den unterschiedlichen Materialien hervorzuheben kann die Oberfläche geflammt, geätzt oder Patiniert werden. Doch das ist wieder eine ganz andere Geschichte.
 

Mokume_Ausschmieden
Mokumeblech
Mokume_Beispiel

Für Detailinformationen zum Thema Mokume möchte ich zwei Bücher vorschlagen. Das eine ist Mokume Gane von Steve Midgett, ISBN 3-9808709-8-7. Das andere, in englischer Sprache, ist
Mokume Gane von Ian Ferguson, ISBN 0-7136-6156-9.

Wer gerne mit Mokume arbeiten, es jedoch nicht selber herstellen möchte, kann es auch über Firmen wie Schichtwerk beziehen.
 

Mokume-Ring

Zum Abschluss ein Bild von einem meiner Werkstücke. Die Aussenseite des Rings besteht aus Kupfer- Messing- Silber- Mokume. Die Innenseite ist mit 935er-Silber ausgekleidet. Um das Muster sichtbar zu machen wurde der fertige Ring nur leicht mit der Flamme erwärmt.

[Home] [Stahl] [Thor II] [Kumihimo] [Werkstatt] [Bronzeguss] [Mokume] [Shakudo] [Saflorfärbung] [Tsuka-Maki] [Datenschutz] [Impressum]