Saflorfärbung
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Vor einiger Zeit erstand ich einen Kimono. Die Innenseite ist von betörend roter Farbe. Meine Kumihimo-Lehrerin, Frau Tokoro, erklärte mir, dass es sich bei dem verwendeten roten Farbstoff um Saflorkarmin der Färberdistel handelt. Leider sei die hier verwendete Qualität nicht mehr zu bekommen. Von der Farbe fasziniert, konnte ich nicht widerstehen mir dennoch einige hundert Gramm Färberdistel für eigene Färbeversuche zu besorgen.

Unterstützt wird mein Vorhaben von einer guten Freundin, Barbara Riener, die in einem ihrer früheren Leben Handweberin war. Weitere interessante Informationen aus dem ‘Handbuch der Naturfarbstoffe’ von H. Schweppe (ISBN 3-933203-46-5) stellte mir Traudel Küpper zur Verfügung. So erfahre ich, dass die Färberdistel zwei verschiedene Farbstoffe enthält, Saflorgelb und Saflorkarmin.
Saflorgelb ist laut Literatur (und eigenen Erfahrungen) nicht besonders beständig. Trotzdem wurde es oft genutzt, unter anderem zum Strecken von teureren Farbstoffen wie Safran. Interessanterweise ist in der Distel auf ca. 60 Teile Saflorgelb nur 1 Teil Saflorkarmin enthalten.

Als erstes muss das Saflorgelb entfernt werden, was recht einfach ist. Die Blütenblätter der Distel kommen in einen Stoffbeutel und werden über Nacht in kaltem Wasser eingeweicht. Dadurch löst sich der Farbstoff und am nächsten Tag ist das Wasser tiefgelb.

Bevor ich es fertig bringe das Wasser in den Abfluss zu gießen, letztendlich ist es der rote Farbstoff den ich gewinnen will, ziehe ich einen in Alaun gebeizten Seidenstrang durch die Flüssigkeit. Schon nach wenigen Minuten nimmt er eine schöne gelbe Farbe an.

Um das restliche Saflorgelb aus dem Beutelinhalt zu entfernen wird jetzt noch mehrfach eingeweicht und gespült, bis das Waschwasser keine Gelbfärbung mehr zeigt.

Färberdistel

Färberdistel

Diese Vorarbeit liefert den gewaschenen Saflor. Aus ihm wird das Saflorkarmin mit Hilfe einer 2% Sodalösung gewonnen.
Bei einer geplanten Ansatzmenge von 3l benötige ich also 60g Soda (10g pro Liter * Konzentration in %). Nach dem Auflösen des Soda wird der Stoffbeutel mit dem gewaschenen Saflor für eine Stunde in der Sodalösung eingeweicht. Zu beachten ist, dass die Lösung kalt sein muss, da Saflorkarmin ab 50°C zerstört wird.
Danach ist der Stoffbeutel kräftig auszudrücken, um keine Farbreste zu verlieren. In dem so gewonnen Filtrat ist eine Färbung jedoch nicht möglich. Zum Erzeugen einer Flotte muss zuerst mit Zitronensäure auf einen pH-Wert von 4-5 neutralisiert werden.

Saflorkarmin Saflorkarmin


Jede Zugabe einer Dosis Säure lässt die Flotte aufschäumen. Mit pH-Papier kontrolliere ich immer wieder den erreichten pH-Wert.

Bei meinem ersten Versuch verbrauchte ich für 3l Flotte ca. 75g wasserfreie Zitronensäure (Pulver).
Die Flotte ist nun endlich fertig und es kann gefärbt werden.

Alternativ kann auch Essigsäure verwendet werden.
 

Neutralisieren Neutralisation

Die gewaschenen und gespülten Seidenstränge kommen in die Flotte, wo sie vorsichtig untergetaucht werden, um alles gut zu durchtränken. Die Seide nimmt bereits nach kurzer Zeit einen kräftigen roten Farbton an, der ein breites Grinsen in meinem Gesicht erzeugt. Nach dem Aufenthalt im Färbebad werden die Stränge gespült und zum Trocknen aufgehängt. Mit dem Trocknen der Seide stellt sich jedoch heraus, dass kein Rot sondern eher ein Schweinchenrosa erzeugt wurde.
Weitere Färbeversuche mit ungefärbten und bereits gefärbten Strängen änderten das Ergebnis nur gering. Auch eine Flotte, bei der 300g Färberdistel auf 160g vorgefärbter Seide zum Einsatz kommt, bringt nach 24 Stunden Verweilzeit immer noch das gleiche Ergebnis.
Nun entspricht das leider auch den Farbtafeln im Schweppe (s.o.), so dass ich im Moment nicht erkennen kann, wo ich einen Fehler gemacht habe.

Färbeflotte Färbeflotte

Angenehm bei der Saflorfärbung ist jedenfalls das kein langwieriges Auskochen von Färbepflanzen erforderlich ist. Ebensowenig muss beim Färben die Flotte auf einer bestimmten Temperatur gehalten werden. So handelt es sich, wenn auch Zeitaufwendig, um ein technisch recht einfaches Verfahren.

Neben dem Schweppe möchte ich das Taschenbuch ‘Färben mit Naturfarben’ (ISBN 3-473-43005-6) von Gudrun Schneider erwähnen, dem ich viele Informationen entnehmen konnte.

Ein nachträglicher Glücksgriff ist das deutschsprachige, aber in Japan verlegte Buch ‘Der Regenbogenfarbendieb’ (ISBN 4-87940-568-X). Es sollte doch gelacht sein, wenn mir der gewünschten Rotton nicht doch noch gelingt.

 

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