Seidenraupen
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Seide wird hauptsächlich aus dem Kokon des Seidenspinners Bombyx Mori gewonnen. Vor 3000 Jahren wurde er in China für die Seidenproduktion domestiziert. Der Bombyx Mori gehört zu den Nachtfaltern und ist von unscheinbarem weißem pelzigem Aussehen.

Die Entwicklung vom Ei bis zum Schmetterling dauert beim Bombyx Mori 2 Monate. Für die Aufzucht werden Anfang April die sorgsam kühl und trocken gelagerten Eier des letzten Jahres langsam in einem Brutschrank aufgewärmt, so das nach 14 Tagen die Raupen schlüpfen. Das Schlüpfen muss mit dem Sprießen der Maulbeerbäume zusammenfallen, da die Maulbeerblätter die einzige Nahrung des Bombyx Mori sind.

In ihrem kurzen Raupenleben von 40 Tagen häutet sich die Raupe vier mal. Die Zeiträume zwischen den Häutungen bis zum Verpuppen bezeichnet man als Lebensabschnitte. In jedem dieser Lebensabschnitte wächst der Platzbedarf der Raupe und ihr Heißhunger.
Benötigen die Raupen von 25g Eiern (ca. 4000 Stück) anfangs nur 6 kg Maulbeerblätter auf einer Fläche von 4 m², so sind es am Ende des 5. Lebensabschnitts über 800 kg Blätter, die herangeschafft werden müssen. Die Raupen benötigen nun rund 80 m² und müssen 5x am Tag gefüttert werden.
Auch wenn es gelingt nach der letzten Häutung die Raupen mit anderen Pflanzen wie Apfel, Kohl oder Soja zu füttern, so hat das doch zur Folge das die Farbe des Kokon gelblich wird und eine etwas schlechtere Seidenqualität hervorbringt.

Dann ist für die Seidenraupe die Zeit gekommen, sich zu verpuppen. Dazu steigt sie auf hierfür vorgerichtete Gestelle oder Zweige. Hier fixiert sie ihre Position mit einem losen Gespinst aus Seidenfäden, um dann im Zentrum mit dem Bau des Kokon zu beginnen. Die Raupe scheidet hierfür die von ihr erzeugte Seide in einem einzigen, bis zu 1200m langen Faden aus. Nach drei bis vier Tagen ist der Kokon fertig. In seinem Inneren verwandelt sich die Raupe zur Puppe, um nach weiteren 15-20 Tagen die Metamorphose zum Schmetterling abzuschließen. Der Falter erweicht den Kokon mit Hilfe eines Sekrets und schlüpft aus. Erstaunlich ist, dass der Bombyx nicht fliegen kann. Ebensowenig ist er in der Lage, Nahrung aufzunehmen. In seinem kurzen Leben ist sein einziges Ziel, sich zu paaren. Kurz nach der Befruchtung stirbt das Männchen. Dem Weibchen bleiben noch einige Tage um ihre 500 Eier abzulegen, danach stirbt es auch.
Doch nur die wenigsten Falter erhalten in der Zucht die Möglichkeit sich zu entwickeln, denn nach dem Fertigstellen des Kokon beginnt die Ernte. Die Kokons werden aus ihren Gestellen gelöst und eingesammelt. Die erste lockere, wolkenartige Schicht um sie herum wird entfernt und zu Fäden versponnen. Diese Seidenqualität wird Bouretteseide genannt und ist von grober, noppiger Qualität.
Es ist weitaus aufwändiger die hochwertige Haspelseide des Kokons zu gewinnen. Um an den Seidenfaden zu gelangen muss der Klebstoff, der den Kokon zusammenhält, aufgelöst werden. Dazu wird er in heißes Wasser gelegt. Nun gilt es den Anfang des sich ablösenden Seidenfaden zu finden. Je nach gewünschter Fadenstärke werden mehrere dieser Anfänge zusammengefasst und gemeinsam aufgespult, während sich die Kokons im heißen Wasser abwickeln wie ein Wollknäuel. Am Ende des Abhaspelns anfallende kurze Reste und beschädigte Kokons werden zu Schappeseide versponnen. Nur die Puppe bleibt im Wasserbad zurück.
Hiermit ist die Gewinnung der Rohseide abgeschlossen. Der Rohseidenfaden ist so extrem Reisfest und Hart das er für die Saiten der Koto, einem japanischen Musikinstrument, verwendet werden konnte. Bevor die Rohseide zu dem bekannten weichen Material wird, muss sie eine halbe Stunde in Wasser mit etwas Soda gekocht werden. Drei der so aufbereiteten Fäden werden miteinander verzwirnt. Die Seide kann nun gefärbt und weiterverarbeitet werden.
 

Eine Rarität ist die Seide des Koishimaru, einer anspruchsvollen Zuchtform welche nur in einigen Bergregionen und traditionell im japanischen Kaiserhaus zu finden ist. Der Kokon ist kleiner und ergibt beim Abhaspeln eine Länge von nur 450 m, also weit weniger als die Hälfte der üblichen Zuchtformen.
Das Kaiserhaus in Tokio gibt seine Seide nur als Gastgeschenk an hochrangige Persönlichkeiten weiter.

Neben dem Bombyx Mori gibt es weitere Arten von Seidenspinnern, die aber weniger ergiebig in der Produktion sind oder aus anderen Gründen nie die gleiche Bedeutung erlangt haben. Der bekannteste Vertreter dürfte der Antheraea pernyi sein. Von ihm kommt die Tussah-Seide, auch Wildseide genannt.
 

Seidenraupe

Seidenraupen

Wildseide_Kokon

Wildseiden-Kokon

Seidenkokon_1
Seidenkokon_3
Seidenkokon_2

Zuchtseiden-Kokon

Rohseide

Rohseide

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