Shakudo und Shibuichi
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In Bezug auf Metall ist japanisches Kunsthandwerk eng verbunden mit Legierungen wie Shakudo, Shibuichi, Kuromido und weitere mehr. Bei allen diesen Legierungen ist Kupfer der Hauptbestandteil. Warum das so ist liegt wahrscheinlich an den in früheren Zeiten vorhandenen Bodenschätzen. War Japan reich an Kupfervorkommen, so waren Metalle wie Gold und Silber eher selten. Aus den vorhandenen Rohstoffen entwickelte man daher die oben genannten Legierungen. Ergänzt durch spezielle Patinierungen ergab sich dadurch eine in Form und Farbe typische Metallgestaltung.
Wie nach der traditionellen japanischen Methode aus den vorhanden Metallen die oben genannten Legierungen hergestellt werden, das soll hier beschrieben und gezeigt werden.

Denkt man beim Giessen von Metall als erstes an feuerfeste Formen oder Kokillen, so hat es zumindest mich in Erstaunen versetzt, als ich erfuhr, dass in Japan der Guss in einem Wasserbad erfolgt. Unter Wasser fängt ein Baumwolltuch die Schmelze auf.

Als Gussbett spannt man das Baumwolltuch über einen Rahmen. Diesen kann man z.B. leicht aus einem zusammengerollten Drahtgeflecht herstellen. Das Ganze wird nun in einem mit 60°C warmen Wasser gefüllten Behälter versenkt, so dass der Stoff mehre Zentimeter unter der Oberfläche liegt.

Je nach Art der Legierung werden die benötigten Anteile abgewogen und in einen feuerfesten Tiegel eingebracht. Dieser wird nun bis zum Schmelzen des Inhalts entweder mit der Flamme eines Brenners, oder wie früher, in einem Holzkohlefeuer erhitzt. Beim Schmelzen im Kohlefeuer sollte man den Tiegel mit einem Deckel belegen. Dadurch wird verhindert, dass zu viel Sauerstoff an die Schmelze gelangt und diese unnötig oxidiert.
Kann Kupfer und Silber gleichzeitig erhitzt werden, so sollte Gold erst kurz vor dem Guss der schon flüssigen Schmelze zugesetzt werden.

Mit einem trockenen Holzstab kurz umrühren, um zu prüfen ob wirklich alles Metall geschmolzen ist. Nebenbei werden dabei auch Oxidationen teilweise beseitigt.
Dann den Tiegel über das Wasserbecken bringen und die Schmelze durch das Wasser in die Auffangvorrichtung giessen. Hierbei darauf achten, dass der heisse Tiegel nicht das Wasser berührt.
Es dauert nicht lange bis die brodelnden Geräusche aufhören und der Gusskörper mit einem letzten blasenwerfenden Zischen (fast) erkaltet ist.

Ein gelungener Guss muss eine glatte Oberfläche ohne Lunker und Einbuchtungen aufweisen.

Nachdem die Legierung fertig ist, folgt nun die Arbeit, aus dem Gusskörper durch Schmieden und Walzen ein Blech als Ausgangsmaterial für die weitere Arbeit zu formen.
Hierbei unterscheidet sich das Vorgehen nicht von der Bearbeitung von Kupfer oder Mokume.


Doch warum der Aufwand für die vielen unterschiedlichen Legierungen, und woraus bestehen sie?

Gussbett
Schmelztiegel
Shakudo-guss
Gusskörper
Rokusho

Der Grund liegt darin, das jede Legierung beim Patinieren andere Farbtöne annehmen kann.
Eine bevorzugte Patina wird durch Niage erzieht. Hierbei handelt es sich um eine wässrige Lösung aus Rokusho und Kupfersulfat. Rokusho ist künstlich hergestellter Grünspan. In kochendem Zustand erzeugt diese Lösung auf den verschieden Legierungen eine Braun-, div. Grau- oder Schwarz-Färbung.
Für Shibuichi mit mindestens 50% Kupfer wird eine Lösung aus 5g Kupfersulfat und 5g Rokusho auf 1,8l Wasser angesetzt. Bereits nach wenigen Minuten sollte sich die gewünschte Farbe einstellen.
Bei Shakudo wird bei der gleichen Ansatzgrösse 5g Kupfersulfat und 11g Rokusho benötigt und die Zeit wird bei 10-15 Minuten liegen. Dauert der Vorgang zu lange, wird die Färbung matt und fleckig.
Bevor das Werkstück eingetaucht wird, muss es natürlich gründlich entfettet werden. Ist in der Legierung Silber vorhanden, so ist das Werkstück zusätzlich (so seltsam das auch klingt) mit geriebenen weissen Rettich abzuwischen. Dies verhindert nachweislich einen grauen Schleier auf der patinierten Oberfläche.
Beim Patinieren darf das Werkstück die Behälterwand nicht berühren. Am besten hängt man es einfach hinein oder bewegt es mit einem Plastiksieb in der Flüssigkeit hin und her.

Shakudo_Patinieren

Übersicht über die bekanntesten Legierungen und der Färbung durch Niage.

 

Cu

Ag

As

Au

Farbe

kuromido

99

 

1

 

grau/schwarz

shakudo

95

 

 

5

schwarz

shiro-shibuichi

40

60

 

 

hellgrau

kami-shibuichi

60

40

 

 

grau

nami-shibuichi

75

25

 

 

grau/braun

murasaki-gane

85

 

 

15

violett/schwarz

Bei Interesse kann ich kleinere Mengen Rokusho abgeben.

Shakudo-Platte

An diesem Küchenmesser habe ich als gestalterisches Element eine kleine Platte aus Shakudu zwischen Griff und Klinge eingepasst. Obwohl die hier verwendete Legierung nur 4% Gold enthält, so hat sie doch eine schöne dunkle Färbung angenommen.

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